OMAN – “Mit dem Fahrrad durch das Land des Weihrauchs” Di.22.Mai 19 Uhr CONRAD`S, Baummardesteig ggü. 1c, Berlin-Konradshöhee

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Veröffentlich: 11. Mai 2018 (vor 2 Wochen )

Im Land des Weihrauchs
Mit dem Fahrrad durch den Oman
Ein Reisebericht von Hans Neumann

„In ein moslemisches Land?“
„Lass` Dich nicht entführen!“
„3000 km Wüste?“
„Wie machst Du denn das mit dem Wasser?“
„Pass auf, wenn Du verschleierte Frauen fotografierst“
…und, und, und!

Diese Aussagen und Fragen waren die Reaktion von Freunden, Bekannten, Kollegen
und anderen Menschen, denen ich von meinem Vorhaben, mit dem Fahrrad den Oman zu bereisen, erzählte.
Um es vorweg zu nehmen: Ich bin nicht entführt worden und ich habe auch keinen Krummdolch in den Rücken bekommen, obwohl ich Dutzende von verschleierten Frauen fotografiert habe.
Etwa 9 von 10 Personen wussten den Oman überhaupt nicht geografisch einzuordnen. Nicht wenige verlegten das Land sogar nach Afrika. Und die Sorge, man könnte mir in einem moslemischen Land etwas Böses antun, entspringt wohl der Unkenntnis und den Vorurteilen, die man arabischen Ländern gegenüber hat.
Die Reise war geprägt von der unglaublichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Araber! Mehrmals am Tag wurde ich mit diesen sprichwörtlichen Eigenschaften der Omanis konfrontiert. In der Wüste hielten oft Einheimische an, um mir Wasser, Obst, Saft oder Essbares zu geben. Nicht wenige meinten wohl, ich sei minderbemittelt, denn sonst würde ich ja mit einer Gruppe das Land bereisen. Sie boten mir Geld an, was ich natürlich ablehnte. Einmal scherten zwei Fahrzeuge aus einem Militärkonvoi aus, fuhren mir hinterher und wollten mir eine Kiste mit 60 Wasserbechern schenken. Da das nicht sehr praktisch war, füllten die Soldaten die Becher in meine leeren Wasserflaschen um. Dann folgten sie den anderen Fahrzeugen des Konvois…
Die vielen Einladungen konnte ich aus Zeit- und Entfernungsgründen gar nicht annehmen. Die Einladung zum Kaffee von einer total verschleierten Frau (!!!) bei sich zu Hause nahm ich in meiner grenzenlosen Neugier aber an. Sie bewirtete mich mit Kaffee und Obst, und zum Abschied beschenkte sie mich noch!
Die Fahrerei durch die unendlich öde und trostlose Wüste (3000Km) wurde nur selten durch „Highlights“ unterbrochen. Zu den Höhepunkten zählte aber immer wieder das Zelten in dieser Einöde. Die Sonnenuntergänge, der Sternenhimmel und die Sonnenaufgänge waren jeden Tag von neuem ein unvergessliches Erlebnis. Äußerst unangenehm war es, wenn ich in Sandstürme kam, die teilweise gewaltig waren! Autofahrer zögerten nicht lange und gewährten mir in ihren Autos Schutz.
Im Durchschnitt trank ich etwa sechs Liter Wasser am Tag. Das musste natürlich auch nachts entsorgt werden. Bei meinen nächtlichen „Ausgängen“ musste ich sehr genau hinsehen, wo ich hintrat, denn es gibt in der Wüste viele (auch giftige) Schlangen und Skorpione.
Erstmalig hatte ich auf einer Radtour zwei schwerwiegende Radpannen! Dank der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Omanis wurde die erste (natürlich kostenlos!) behoben, und zur Sicherheit schenkte man mir noch zwei Ersatzschläuche und mehrere Ventile. Bei der zweiten Panne riss eine Felge. Um den Schaden zu beheben, musste ich zurück in die Hauptstadt Muscat fahren, wo ich mit viel Mühe und der Hilfe eines Taxifahrers eine einzige gebrauchte Felge in der richtigen Größe fand.
Die omanischen Frauen kleiden sich traditionell total verschleiert in Schwarz, mit Sehschlitz oder mit der Burqa, einer „Schnabelmaske“ (nicht zu verwechseln mit dem Ganzkörperschleier der afghanischen Frauen). Oft fragten Frauen, ob sie mich fotografieren dürften, und ich willigte ein. Fragte ich sie, lehnten sie überwiegend ab. Trotzdem gelangen mir einmalige Aufnahmen, wenn ich höflich danach fragte. Auf einer Fähre wurde ich geradezu aufgefordert, eine Frauen-/Mädchengruppe zu fotografieren.
Während meines Besuchs im Oman fand der „Golf-Cup“ statt, eine Fußballmeisterschaft der acht Golf-Staaten. Als dann der Oman die Meisterschaft sogar noch gewann, musste ich feststellen, dass sich die omanischen Fans überhaupt nicht von den europäischen unterscheiden. Ausgelassen feierten sie „ihre“ Mannschaft in den Strassen der Hauptstadt.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte: Die Vorstellung der Omanis von Pünktlichkeit und Zeitzusagen.
Mehrere Male verabredete ich mich mit Einheimischen, aber die nehmen es mit der Zeit nicht so genau. Einmal wollten mich Omanis an einem Freitag um 10 Uhr vom Hotel abholen, am Sonnabend um 15:30 Uhr waren sie dann endlich da…
Aber die Herzlichkeit, die Fröhlichkeit und Unbekümmertheit ließen mich solche Vorkommnisse schnell vergessen.