Nach 44 Jahren wieder mit dem Fahrrad durch Malaysia

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Veröffentlich: 6. Dezember 2017 (vor 1 Woche )

Nach 44 Jahren wieder mit dem Fahrrad durch

MALAYSIA

Als ich in den Jahren 1971, 1972 und 1980 Malaysia bereiste, war ich sehr fasziniert von der Vielseitigkeit dieses Landes. Inzwischen ist viel Zeit vergangen, und ich war neugierig und gespannt, welche Veränderungen das Land inzwischen geprägt haben.
Doch ich machte mir keine Illusionen das Land wieder zu finden, das ich damals kennen gelernt hatte.
Die Route führte mich – genau wie damals – von Singapur an die West-Küste nach Malakka, nach Norden auf die Insel Penang, dann quer durch die Cameron Highlands an die Ost-Küste. Über Terengganu fuhr ich weiter nach Endau und von dort mit einem Boot auf die Insel Tioman. Die Insel Rawa, auf die mich damals ein Fischer brachte, ist nur noch mit einer sehr teuren Package-Tour mit einem Aufenthalt in einem Luxus-Hotel buchbar; ich verzichtete. Über Mersing und Kota Tinggi fuhr ich zurück nach Johore Bahru, früher eine beschauliche Kleinstadt, heute eine Metropole.
Die Unterschiede waren enorm! War Malaysia 1971 noch ein Entwicklungsland, gehört es heute zu den „Schwellenländern“. Und das ist in jeder Phase der Anwesenheit in diesem Land zu spüren.
Der Urwald wurde nicht nur zu Gunsten von Autobahnen abgeholzt, sondern auch für Golfplätze, Luxushotels und Ferienressorts. Fuhr ich damals tagelang durch Kautschuk-Plantagen, gibt es heute auf vielen Kilometern nur noch Ölpalm-Plantagen, weil sie wirtschaftlich viel lukrativer sind.
Dadurch bedingt hat sich die Tierwelt weit in den Dschungel zurückgezogen. Nur selten sieht man noch Schlangen, Warane, Orang Utans, dafür umso mehr Affenherden, die mir oft ganz schön lästig wurden.
Die mit Abstand größte Veränderung war jedoch die allgegenwärtige Islamisierung des Landes. Ein Zitat aus „Spiegel Online“: „So sind Besucher, die Malaysia aus den 70er Jahren kennen, überrascht, wieviele Frauen inzwischen den Schleier tragen“. Mit der Dahkwa (Erweckungsbewegung) setzte eine Islamisierungswelle ein, ausgelöst durch ethnische und soziale Konflikte. Die in der Verfassung verbriefte Religionsfreiheit besteht nur theoretisch, und die „Kleiderordnung“ wird erheblich strenger praktiziert als im Iran.
Nicht verändert hat sich die enorme Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen.
Oft wurde ich – der Exot – zum Tee eingeladen, zum Essen oder zum Übernachten.
In einem Dorf wurde ich zu einer chinesischen Beerdigungsfeier eingeladen, in einem anderen gleich zu zwei Hochzeiten. Ich hatte auch das Glück, Gast auf einem einem Kindergeburtstag sein zu können. Gefeiert wurde in einem weltbekannten Hamburger-Restaurant ….. Ich spielte auf der Mundharmonika und Flöte irische Lieder, während alle Gäste – ohne Ausnahme – mit ihren iPhones und Handys beschäftigt waren…
Da ich mir vor der Reise keine Illusionen gemacht hatte, konnte ich auch nicht enttäuscht werden. Es waren sechs Wochen voller Erlebnisse und Begegnungen mit liebevollen, hilfsbereiten, neugierigen und freundlichen Menschen.

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