Mit dem Fahrrad durch Usbekistan

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Veröffentlich: 5. August 2017 (vor 2 Wochen )

USBEKISTAN

Mit dem Fahrrad auf der Seidenstrasse durch ein außergewöhnliches Land

Wäre die Reise so weiter verlaufen, wie sie begonnen hat, wäre es eine Katastrophe geworden…. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde die Tour zu einem einmaligen Erlebnis!
Schon vor dem Abflug in Tegel bekam ich es mit der Polizei zu tun.
Als mein Fuß während des Fluges nach Istanbul auf das fast Doppelte anschwoll und ich unerträgliche Schmerzen hatte, sah ich meine Reisepläne schon dahin schwinden.
Nach Ankunft in Taschkent gingen die Unannehmlichkeiten weiter.
Doch als diese überwunden waren, konnte ich ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen bereisen.
Schon die Hauptstadt Taschkent begeisterte mich. Viele Bäume säumten breite Alleen, überall gab es Blumenbeete, die von einem Heer von Gärtnern gepflegt wurden, ebenso Parkanlagen, Springbrunnen und künstliche Seen mit Inseln, auf denen sich im Schatten von Bäumen Restaurants befanden. Was mich besonders beeindruckte, das war die unglaubliche Sauberkeit der Stadt! Und die setzte sich auf dem Land, in den Dörfern fort. Man musste schon sehr genau hinsehen, um einen Schnipsel Papier, eine Plastiktüte oder eine Getränkedose zu entdecken – sie waren einfach nicht vorhanden.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, war die unsinnige und überflüssige Bürokratie. Kam ich in eine der vielen Polizeikontrollen, musste ich mich immer registrieren lassen – mal per Computer, mal wurde lediglich mein Name und mein Geburtsdatum in eine Kladde per Bleistift eingetragen.
Aber – jeder Polizist begrüßte mich mit Handschlag, und manche beschenkten mich; mit Brot, Melonen, Kirschen, Wasser oder Aprikosen.
In den Dörfern wurde ich überschwänglich begrüßt und bewirtet. Zweimal nahm ich private Übernachtungseinladungen an, obwohl das verboten ist. Man muss lückenlos Hotelaufenthalte nachweisen. Aber es gab einen (illegalen) Ausweg, der sehr teuer werden kann….
Grandios waren die mystischen Städte Samarkant, Buchara und Chiva.
Irgendwie hatte ich Mitleid mit den Pauschaltouristen, deren 10tägiger Besuch in Usbekistan sich ausschließlich auf diese drei Städte mit den markanten „Sehenswürdigkeiten“ beschränkte. Die Schönheit des Landes und die umwerfende Freundlichkeit der Bewohner entgeht einem bei dieser Art des Reisens.
Der Ausflug nach Moynak, einer trostlosen, heruntergewirtschafteten Stadt, war trotz allem einen Besuch wert. Lag die Stadt einmal direkt am Aral-See, ist das Ufer heute 200 km entfernt. Verrostete Schiffswracks zeugen von der gigantischen Umweltkatastrophe, die von der Sowjetunion seit 1960 hervorgerufen wurde. Ohne Rücksicht auf die Umwelt wurde die Anbaufläche von Baumwolle innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Dazu brauchte man das Wasser aus dem Aral-See, und der verschwand nach und nach.
Die Fahrt durch die Wüste war eine echte Herausforderung. Tagelang fuhr ich bei Temperaturen von 72° in der Sonne (Schatten gab es nie!) durch trostlose Gegend. Traf ich mal auf Menschen, z. B. auf Nomaden, die in Jurten wohnten, wurde ich mit Begeisterung begrüßt und zumindest zu einem Tee eingeladen.
Zum Abschluss der Reise besuchte ich noch das Fergana-Tal, wo die islamische Lebensweise im Gegensatz zum Rest des Landes sichtbar war. Obwohl sich 90% der Bevölkerung zum sunnitischen Islam bekennt, ist davon
so gut wir gar nichts zu spüren. Man hat das Gefühl, das interessiert die Mehrheit der Bevölkerung überhaupt nicht. Ich war während des Ramadan in Usbekistan – auch das interessierte die Mehrheit der Leute nicht, wie ich hautnah erleben konnte.
Bei aller Euphorie – man darf nicht vergessen, dass Usbekistan eine der schlimmsten Diktaturen der Welt ist! Davon merkt man als Tourist so gut wie gar nichts, und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Bevölkerung sich drangsaliert sieht.

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