Reinickendorfer Kleingärtner-Verband zu jüngsten angeregten Bebauungsplänen

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Wie KIEZEKATZE berichtete, hat ein Investor im Tagesspiegel per Offenem Brief an Bausenatorin Lompscher einen Tabubruch gefordert – nämlich, die von Berliner Kleingärten eingenommene Fläche als Baugrund für günstigen Wohnraum umzuwidmen. Wir haben beim Bezirksverband der Kleingärtner Reinickendorf e. V. nachgefragt, was man dort von solchen Überlegungen hält. Verwaltungsvorstand Frank Bienek antwortete uns wie folgt:

Kleingärten “ständig in der Schusslinie”

Warum zieht es so viele Menschen nach Berlin? Einer der Gründe laut Umfragen ist, dass unsere Stadt sehr viel Grün zu bieten hat, wovon andere Metropolen nur träumen können. Die Berliner Kleingärtenfläche entspricht etwa der Größe des Tiergartens und des Grunewalds zusammen. Eine Bebauung des Tiergartens oder des Grunewalds mit Wohnungen wird von niemandem gefordert, aber die Kleingärten sind ständig in der Schlusslinie. Kleingartenkolonien sind öffentliche Flächen, d. h. jeder kann sie betreten und sich dort aufhalten.

Aspekte von Integration und Ökologie

Kleingartenvereine stärken das soziale Miteinander von Jung und Alt, von Deutschen und Nichtdeutschen, von Christen, Moslems, Juden und Atheisten. Wie viele Menschen vereinsamen in ihren Wohnungen ohne dass es jemanden interessiert? – Ist aber der Garten-Nachbar ein paar Tage nicht auf seiner Parzelle, wird sofort nachgefragt.

Kleingartenvereine informieren auf Veranstaltungen zum Naturschutz, zum Obst- und Gemüseanbau ohne Pestizide und richten viele Feste aus, die von Jedermann besucht werden können.

Nutzen für Stadtklima und Tierwelt

Der wichtigste Aspekt ist aber, dass Kleingärten ein unbestritten wichtiger Faktor für das Stadtklima sind und einen hohen ökologischen Nutzen für die Tierwelt haben. Überall hört man vom Bienen- und Vogelsterben, in Berlin wird durch die Kleingärtner auch Artenschutz betrieben. Viele Tiere leben in den Gärten und werden auch durch die Gartenfreunde in ihrer Arterhaltung unterstützt. Wer hat den schon einmal einen Maulwurf oder eine Blindschleiche auf dem Potsdamer Platz gesehen?

Durchaus alternative ungenutzte Flächen

Natürlich kann man auf der Kleingartenfläche 400.000 Wohnungen bauen und wenn doppelt oder dreifach so hoch gebaut wird, reicht es auch für 800.000 oder 1 Million Wohnungen. Der Ruf der Investoren nach Bebauung der Kleingartenflächen kommt immer wieder und die Politik muss jeden Tag Stärke beweisen und dem widerstehen.

Der Wohnungsbau ist eine wichtige Aufgabe unserer Zeit, aber Berlin hat noch so viele ungenutzte Flächen und Möglichkeiten zur Aufstockung, sodass es einer Bebauung der Kleingärten nicht über das schon geplante Maß hinaus bedarf. In einer Stadt, wo Bäume und Grün Mangelware sind, möchte keiner gerne leben, auch die Investoren nicht, da sind wir ganz sicher.

Berlin braucht Wohnungen und seine Kleingärten, dass ist das Besondere an dieser Stadt, die es so nur einmal gibt.

 

Zum Nachlesen: Hier geht’s noch mal zum KIEZEKATZE-Artikel…

Reinickendorfer Kleingärten in Gefahr? – Investor will Arreale berlinweit für Wohnungsbau

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