KIEZEKATZE-Interview: Bezirksstadtrat äußert sich zu Ratten-Problematik

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Das Thema “Rattenbefall” schlägt in unserem Bezirk derzeit hohe Wellen – zahlreiche Medien berichten über die Situation am aktuellen Brennpunkt Tegel-Süd, Politiker äußern sich vielfach. Der Wahlkreisabgeordnete für Heiligensee, Konradshöhe, Tegelort und Tegel, Stephan Schmidt (CDU), erklärte gerade, das Problem der Ratten trete in ganz Berlin wieder massiv auf: “Die CDU-Fraktion hatte deshalb bereits im Oktober einen Antrag in das Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht, in dem wir eine intensivere Rattenbekämpfung fordern. Leider haben SPD, Grüne und Linke diesen Antrag im mitberatenden Gesundheitsausschuss kurzerhand abgelehnt. Ich hoffe, dass die derzeitige öffentliche Diskussion darüber zu einem Umdenken führt, bis der Antrag beim federführenden Hauptausschuss angelangt ist.” Weiter fordert Schmidt einen Runden Tisch aller Beteiligten für ganz Berlin – und auch lokal für Tegel.

Bezirksstadtrat: Schäfersee auch Ort der “Dauerbekämpfung”

KIEZEKATZE (KK) hat vor diesem Hintergrund das Bezirksamt um eine aktuelle Stellungnahme und eine Einschätzung der generellen Lage in Reinickendorf gebeten. Antworten bekam unsere Redaktion von Uwe Brockhausen (UB), Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Gesundheit, Integration und Soziales.  Verglichen mit der momentanen Situation in Tegel-Süd gebe es Rattenbefall “in diesem Ausmaß eher selten”, sagt er: Seitens des Bezirks werde als einzige Dauerbekämpfungsmaßnahme das Areal um den Schäfersee durch eine Fachfirma betreut.

KK: Herr Brockhausen, wie wird das gesamte Thema denn überhaupt überwacht? Gibt es dazu Erhebungen, Begehungen etc.?

UB: Rattenbefall ist meldepflichtig, Befall und Maßnahmen werden überwacht. Das Gesundheitsamt ist zuständig und geht auch allen Beschwerden und Hinweisen nach. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales erstellt jährlich einen Bericht über die erfolgten Rattenbekämpfungen in den Berliner Bezirken, die auf den Daten der Gesundheitsämter beruhen.

Sperrmüll, Lebensmittel- und Tierfutterreste sowie ungepflegte Grünanlagen attraktiv für Ratten

KK: Was kann man selbst gegen Ratten unternehmen – präventiv und reaktiv? 

UB: Präventiv muss man versuchen, das Lebensumfeld für die Ratten unattraktiv zu gestalten. Ein Rattenbefall entsteht in der Regel dort, wo ausreichend Nahrungsmittel für die Tiere zur Verfügung stehen (beispielsweise achtlos weggeworfene Lebensmittel oder ausgebrachtes Tierfutter) und Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sind (beispielsweise Sperrmüll oder ungepflegte Grünanlagen). Reaktiv müssen fachgerechte Schädlingsbekämpferinnen und Schädlingsbekämpfer beauftragt werden und Unterschlupfmöglichkeiten nachhaltig beseitigt werden. Das ist üblicherweise eine Aufgabe des Grundstückbesitzers. Außerdem ist das Gesundheitsamt zu kontaktieren, das die notwendigen Maßnahmen überwacht.

Vertrag mit Schädlingsbekämpfungsfirma – kurzfristiges Eingreifen möglich

KK: Wie gefährlich können Ratten werden?

UB: Ratten sind Überträger von Krankheiten, ohne direkten Kontakt ist das Risiko jedoch in der Regel überschaubar.

KK: Was wird von Seiten des Bezirks zur Beseitigung von Rattenproblemen im öffentlichen Raum unternommen? 

UB: Das Bezirksamt hat auf seinen Grundstücken bei Rattenbefall die gleichen Pflichten wie jeder andere Eigentümer. Das Gesundheitsamt hat einen Vertrag mit einer Schädlingsbekämpfungsfirma bei Rattenproblemen in öffentlichen Einrichtungen oder in Frei- und Grünflächen in Reinickendorf. Es beauftragt aus diesem Vertrag im Bedarfsfall kurzfristig.

Tegel-Süd: “Maßnahmen vor Ort gemeinsam und fachkundig besprechen”

KK: Wie stellt sich die Situation aus Ihrer Sicht nun im aktuellen Fall Tegel-Süd dar?

UB: Im Rahmen einer Begehung der Gesundheitsaufsicht aufgrund von Anwohnerbeschwerden hat sich der ausgedehnte Rattenbefall bestätigt. Die Wohnungsverwaltung wurde aufgefordert, innerhalb von 7 Tagen eine Fachfirma mit der Durchführung der Rattenbekämpfung auf dem betroffenen Grundstück zu beauftragen und das Gesundheitsamt darüber zu informieren. Weiterhin wurde gefordert, bis zum 27.04.2018 vorhandene Sicherungsmängel zu beseitigen. Die Wohnungsverwaltung hat bereits eine Schädlingsbekämpfungsfirma beauftragt.

Bei einer Vor-Ort-Besichtigung habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass die Maßnahmen noch nicht ausreichend greifen. Daher habe ich mich an den Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft gewandt, damit in Kürze eine Besprechung zwischen Wohnungsbaugesellschaft, beauftragter Firma und Gesundheitsamt stattfinden kann. Angesichts der vorgefundenen Situation halte ich es für dringend notwendig, dass hier die notwendigen Maßnahmen vor Ort gemeinsam und fachkundig besprochen werden. Unabhängig von den bereits ergriffenen und noch zu ergreifenden Maßnahmen muss man sicherlich feststellen, dass der aktuelle Zustand leider sehr unbefriedigend ist.

KK: Was passiert im vorliegenden Fall, wenn von Seiten der Wohnungsbaugesellschaft keine vernünftigen Maßnahmen getroffen werden?

UB: Ein Unterlassen von vernünftigen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die entsprechend geahndet wird. Gegebenenfalls ist dann eine Ersatzvornahme durch das Gesundheitsamt möglich, bei der das Gesundheitsamt selbst einen Schädlingsbekämpfer beauftragt und die Kosten dafür dem Verantwortlichen in Rechnung stellt.

KK: Herr Brockhausen, danke für Ihre Antworten.

Quellen:

1 Kommentar

  1. sabinchen auf

    Unbefriedigend sind die Maßnahmen im Innenbereichen des Senftenbergerring 54-70 ! Auf Beschwerden an die GESOBAU bekommen Mieter die Auskunft „da kann man nichts Machen!