Stolperstein für Jenny Hirschbruch in der Kolonie am See in Heiligensee

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Gestern wurde auf dem Gelände des Kleingartenvereins “Kolonie am See” ein neuer Stolperstein verlegt, der an Jenny Hirschbruch erinnert. Mit der Aktion Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig wird seit 1992 durch kleine, in den Bürgersteig eingelassene Gedenksteine an ihrer letzten bekannten Wohnadresse an diese Menschen erinnert.

Bilder von der Verlegung des Stolpersteins

Lebensweg von Jenny Hirschbruch

Über den Lebenslauf von Jenny Hirschbruch liegen uns nur wenige Informationen vor.

Sie wurde als Jenny Joel am 9. Dezember 1855 in Kostrzyn/Schroda/Posen geboren. In der Zeit des Nationalsozialismus musste sie ihrem Vornamen den Namen „Sara“ hinzufügen. Ihre Eltern waren Leib und Sophie Joel. Jenny hatte drei Schwestern, Rike (Betty), Sara Doris und Pauline.

Sie war verheiratet mit Hermann Hirschbruch. Gemeinsam hatten sie zwei Kinder, den am 15. März 1881 in Poznan (Posen) geborenen Sohn Siegfried und die am 23. Oktober 1883 ebenfalls dort geborene Tochter Clara.

Wann und warum sie nach Berlin umzog, wissen wir nicht, ebenso wenig, ob sie allein oder gemeinsam mit ihrem Mann übersiedelte. Von ihrem Mann ist belegt, dass er in der Woldenbergerstraße 5 wohnte und am 7. Juni 1922 in der Jablonskistraße starb. Unter der Adresse Woldenbergerstraße 5 ist er auch im Verzeichnis wahlfähiger Mitglieder der jüdischen Gemeinde Berlin Ausgabe 1913 aufgeführt.

Ihr gemeinsamer Sohn Siegfried, von Beruf Kaufmann, zeigte den Tod seines Vaters an. Vermutlich lebten die Eltern getrennt, hatten aber noch Kontakt. Unter der Anschrift Jablonskistraße 2 bei Rabau ist Jenny Hirschbruch im Jüdischen Adressbuch für Groß-Berlin von 1931 verzeichnet. Sie muss dann in späteren Jahren nach Heiligensee in die „Kolonie am See“, Straße 306, heute Süderholmer Steig verzogen sein. Eine genaue Bezeichnung des Hauses liegt nicht vor, die Häuser wurden nach ihren Besitzern genannt.

Zu einem uns nicht bekannten Zeitpunkt zog sie um in die Elsässer Straße 54 in Berlin N 4. Dies war ein so genanntes „Judenhaus“, in dem die für eine Deportation bestimmten Menschen untergebracht wurden. Für Jenny Hirschbruch muss das ein Einschnitt in ihrem Leben gewesen sein, von einem Haus im Grünen in das überfüllte Gebäude in der Innenstadt, mit der ständigen Angst vor der Deportation. Von hier aus wurde sie am 28. Juli 1942 mit dem 31. Alterstransport in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Hier starb sie bereits am 23. August 1942. Das Durchschnittsalter der nach Theresienstadt Deportierten betrug 69 Jahre. Von den 100 Personen dieses Transports sind 95 Menschen im KZ umgekommen. Auf Jenny Hirschbruchs Todesfallanzeige wurden Altersschwäche als ihre Krankheit und “Herzschwäche” als Todesursache angegeben. Dies war eine gängige Umschreibung für die elenden Umstände des Transports und des Lebens im KZ, die bei den ohnehin Geschwächten – Jenny Hirschbruch war zu diesem Zeitpunkt über 86 Jahre alt- zum Tode führen mussten.

Quelle: Dokumentation anläßlich der Stolpersteinverlegung. Stand der Recherche zum 05. Dezember 201 7

 

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4 Kommentare

    • mike alpha x-ray echo auf

      Vor dem Restaurant “Roma” Hennigsdorfer Straße 17 wurde ein Stolperstein für Herbert Schmeisser verlegt, sein Vater Paul Schmeisser bewirtschafte dort das ehemalige Restaurant unter den 7 Linden.

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