Verkehrssituation rund um Amazon Standort weiter unbefriedigend – Keine Lösung vor Weihnachtsgeschäft

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Im Juli 2016 freute sich Bezirksbürgermeister Frank Balzer über knapp 150 entstandene Arbeitsplätze, als das neue Amazon Verteilzentrum nicht weit entfernt von den Borsighallen auf dem Gelände des Dock100 eröffnete. Von dem 6000 qm² großen Gelände des Amazon-Verteilzentrums sollten Bereiche in ganz Berlin beliefert werden (zum Artikel).

Nach dem Start tauchten dann immer wieder Verkehrsprobleme auf, auch jetzt wird wieder darüber diskutiert.  Stadtrat Sebastian Maack hat kürzlich Maßnahmen mit Amazon besprochen und Felix Lederle (Die Linke) hat veranlasst, das Thema in die nächste Verkehrsausschuß Sitzung zu bringen (siehe weiter unten). Er steht dem Amazon Standort in Reinickendorf insgesamt eher kritisch gegenüber.

Erste Probleme 2016

Anwohnerbild von August 2016

Es dauerte gar nicht lange, bis die ersten Verkehrs- und Parkprobleme in der Straße Am Borsigturm auftauchten. Die Lieferfahrzeuge parkten auf der Straße und nahmen Mitarbeitern angrenzender Bürogebäude letzte verfügbare Parkplätze weg. Bezirksstadtrat Martin Lambert konnte mit Amazon damals erreichen, dass die Fahrer der Lieferpartner ihre Fahrzeuge auf von den Lieferpartnern angemieteten Parkplätzen abstellen bzw. die Fahrzeuge zur Privatnutzung mit nach Hause nehmen (siehe KIEZEKATZE Artikel).

Doch immer wieder traten im wahrsten Sinne des Wortes Engpässe auf. So verstopfte der Verkehr der Amazon Fahrzeuge in Stoßzeiten die Straße, so dass bei gleichzeitigem Lieferkehr anderer Anlieger teilweise kein durchkommen mehr war (siehe KIEZEKATZE Artikel2).

Aktuelle Situation

Aktuell wandte sich nun KIEZEKATZE Leser Detlef K. an uns, der auf dem Gelände des Dock 100 arbeitet und berichtete von der unbefriedigenden Verkehrssituation rund um das Gelände. Nach seinem Empfinden sei “die Situation auf dem Gelände der alten Borsigwerke so nicht mehr tragbar und das Ordnungsamt laut Herrn Maack mit der derzeitigen Personalstärke auch nicht mehr Herr der Lage“.

Seitdem Amazon auf das Gelände gezogen sei, interessiere sich niemand mehr für Verkehrsregeln und gegenseitige Rücksichtnahme. Gerade die Fahrer von Amazon nähmen keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Überhöhte Geschwindigkeit sei keine Ausnahme.

Ganz schlimm findetDetlef K. das wilde parken. Er habe auch schon beobachtet, dass Streifen der Polizei einfach an den Fahrzeugen vorbei laufen. Auch Fahrzeuge vom Ordnungsamt würden diese ignorieren. Auf dem Übergang von Am Borsigturm zum Medebacher Weg stünden täglich Fahrzeuge auf dem Gehweg welcher früher mal begrünt war im absoluten Halteverbot. Morgens gegen 8:30 Uhr wäre die Situation vor dem Amazon Gelände noch schlimmer und er hätte den Eindruck dass schon lange niemand mehr vom Ordnungsamt in der Gegend unterwegs war.

Das sagt Stadtrat Maack zu den Problemen

Sebastian Maack, Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten sagte dazu gegenüber KIEZEKATZE: “Das Problem ist dem Bezirksamt bekannt und führt zu regelmäßigen Diskussionen mit der Leitung des Amazon-Standortes. Darüber hinaus ist der Bereich einer der wiederkehrenden Kontrollschwerpunkte des Ordnungsamtes. Teilweise hat der Außendienst des Ordnungsamtes allerdings dringende Aufträge. So hat z.B. das Umsetzen eines Fahrzeuges aus einer zugeparkten Feuerwehrzufahrt eine höhere Priorität als Falschparker im eingeschränkten Halteverbot, weswegen das Auto des Ordnungsamtes dann an diesen vorbeifährt.

Stephan Schmidt (CDU) meint zur Situation am Borsigturm: “Da es in der Straße Am Borsigturm keine Anwohner gibt, treten weitere Aspekte der Verkehrsregelung eher in den Hintergrund. Relevanter Fußgängerverkehr findet zudem hauptsächlich im Bereich des Einkaufszentrums der Borsighallen und des Ärztehauses statt, wo mit Tempo-30-Regelungen und einer Mittelinsel bereits Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung eingerichtet wurden. Beschwerden, die sich auf den Wirtschaftsverkehr zum Dock 10 beziehen, sind mir aus diesem Bereich nicht bekannt.

Schmidt wollte jedoch bereits 2014 eine Busanbindung für das Dock100 realisieren, um zum Beispiel Mitarbeitern “eine gute Alternative für die Anfahrt mit dem Auto zu schaffen und so eine Entspannung der Situation herbeizuführen“.

Angedachte Amazon Maßnahmen nicht mehr vor Weihnachtsgeschäft wirksam

Am 25.10.2017 hatte sich Maack gemeinsam zuletzt mit der Amazon Leitung getroffen. Dabei ging es darum, wie der Verkehr an der Einfahrt zum Dock 100 deutlich übersichtlicher und schneller fließen könnte. Das Gespräch sei laut Maack sehr konstruktiv und sachorientiert verlaufen. Die Umsetzung der angedachten Maßnahmen könne aber nicht mehr rechtzeitig vor Beginn des Weihnachtsgeschäftes realisiert werden.

So wurde gemeinsam mit Amazon angedacht, eine zusätzliche Einfahrt für den Lieferverkehr zu öffnen und den Verkehr dabei so zu lenken, dass sich abfahrende und ankommende Fahrzeuge nicht am Haupttor begegnen. Ein großes Problem bliebe der Anlieferverkehr (bis in den frühen Morgen hinein) und die kleineren Lieferfahrzeuge im Zufluss, die darauf warten, dass sie auf das Gelände fahren dürfen. Mit der Polizei wurde vereinbart, dass diese häufiger Kontrollen in Bezug auf Anschnallpflicht und Handy-Nutzung am Steuer durchführt.

Anhaltspunkte für eine Häufung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hätten die bisherigen Kontrollen nicht ergeben. Eine Prüfbitte an die Verkehrslenkung Berlin habe ergeben, dass die Kreuzung Am Borsigturm/Berliner Straße bereits flexibel auf unterschiedliche Verkehrssituationen reagiere und damit die stoßweise auftretenden Verkehrsspitzen relativ gut aus dem Gelände ableite.

Standort für Amazon geeignet?

Insgesamt ist der Standort laut Stadtrat Maack aufgrund seiner geringen Stauflächen für wartende Fahrzeuge nur bedingt für die vorliegende, intensive Nutzung geeignet. Verstärkt würde dieses Problem noch durch die zusätzliche Nutzung des Standortes durch amazon fresh, die das Verkehrsaufkommen zusätzlich erhöht hätten. Amazon habe bereits mehrere umliegende Flächen als zusätzliche Stauflächen angemietet. Hier seien aber noch weitere Gespräche erforderlich, um die Belastung durch wartende Fahrzeuge weiter zu reduzieren.

Da der Standort seit Jahren kontinuierlich und stark wachse, müsse immer wieder nachgesteuert werden. Die bisher erzielten Verbesserungen könnten dadurch leider nicht wahrgenommen werden, die Probleme schienen durch das steigende Aufkommen von außen betrachtet seit Jahren ungelöst.

Felix Lederle (Die Linke) äußerte sich gegenüber KIEZEKATZE skeptisch, was den Gesamtnutzen dieser AMAZON Ansiedlung für den Standort Reinickendorf betrifft.

Marco Käber, Fraktionsvorsitzender der Reinickendorfer SPD sagte gegenüber  KIEZEKATZE: “Bei aller gewünschter Wirschaftsfreundlichkeit und Freude darüber, dass sich  Unternehmen und Gewerbe im Bezirk ansiedeln, bleibt es dennoch wichtig, dass ein Unternehmen wirklich alle Möglichkeiten ausschöpft, um Belastungen für die Umgebung zu vermeiden. Dazu kann die Einrichtung von Parkbereichen und Wartezonen gehören. Es lohnt sich mit Sicherheit, darüber mit Amazon nochmal direkt ins Gespräch zu kommen.

Die Linke und die SPD bringen das Thema am 14.12. in den Verkehrsausschuß

Abgesehen von den bereits von Stadtrat Maack mit Amazon besprochenen Maßnahmen wurde das Thema nun von Felix Lederle (Die Linke) als Besprechungspunkt in die nächste  Sitzung des Verkehrsausschusses in der BVV Reinickendorf am Donnerstag, den 14.12. eingebracht. Die SPD hatte dies auch angeregt und möchte das Thema zusätzlich im Wirtschaftsausschuß behandelt wissen.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können laut Lederle gerne am 14.12. an der Verkehrsausschusssitzung teilnehmen und sich zu Wort melden. Die Sitzung findet in Raum 339 im Rathaus statt und beginnt ausnahmsweise bereits um 16:30 Uhr.


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11 Kommentare

  1. Ich arbeite ebenfalls am Dock 100. Je nach Wetterlage fahre ich mit dem Auto oder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Viele Parkplätze, die nicht in der Tegeler Kurzparkzone liegen, sind von Amazon-Lieferwagen besetzt, so dass nur noch der Borsigdamm zum Parken zur Verfügung steht, was einen weiten Fußweg zur Folge hat. Fahre ich mit dem Rad, setze ich morgens und nachmittags meine Gesundheit aufs Spiel, wenn ich über das Firmengelände bzw. den Kreuzungsbereich vor dem Dock fahre. Hier muss unbedingt etwas geschehen.

  2. Es gibt keinen Anspruch auf kostenloses Parken in der Nähe der Arbeitsstelle. Bitte die S oder U-Bahn benutzen. Haltestellen sind in der Nähe. Amazon zu haben, ist wichtiger.

    Im einem Gewerbegebiet Fahrrad zu fahren ist mutig. So viel ist wahr. Aber für Fahrrräder ist hier auch nichts gemacht.

  3. ich glaube, die wenigsten Berliner können direkt bis zum Arbeitsplatz mit Auto fahren, wegen Parkplatzmangel. So nimmt man eben die öffentlichen. Auch ich kann an meinen Arbeitsplatz , den Flughafen, nicht parken….also nehm ich den Bus. Das ist wohl zumutbar

    • Ich glaube auch nicht, dass es hier in erster Linie darum geht, ob man seinen Arbeitsplatz mit dem Auto erreichen kann oder nicht. Hier geht es um die immer mehr und nerviger werdenden Amazon-Fahrer. Wenn ich mir die so anschaue, ist mir auch klar, dass hier keiner davon ausgehen kann, dass sie sich an unsere Verkehrsregeln halten. Und da es immer schnell gehen muss, stehen Sie einfach überall mitten auf der Straße. Eben wieder erlebt: Mitten auf der Kreuzung geparkt, Fahrer liefert irgendwo aus, Fahrertür offen, sodass niemand vorbei kommt. Und wenn man sie darauf anspricht, bekommt man lediglich einen dummen Spruch. Sorry, so etwas brauche ich nicht!
      Im Sommer hatte ich mit einem Kollegen einen geschäftlichen Termin auf dem Dock 100 Gelände. Die dort besuchten waren alle völlig genervt von der Entwicklung. Im Anschluss an unseren Termin haben wir uns dann mal den Spaß gemacht und haben uns das Treiben der Fahrer eine Weile aus direkter Nähe angeschaut. Sehr spannend. 80 % der Wagen (neue Fahrzeuge) waren bereits beschädigt. Und die Gespräche unter einander und mit den Disponenten waren auch interessant. Es war klar zu erkennen, dass Sie nicht nur unter ihren eigenen Namen fahren, sondern auch Touren unter denen von Familienangehörigen durchführen.
      Wenn das die Logistik-Zukunft von Deutschland ist, na dann Prost 🙁

  4. Hallo Axel,

    mag ja sein. Aber es handelt sich dort vor allem um ein Gewerbgebiet. Und alle wollen vor die Haustür geliefert haben. Aber die meisten sind Nimbis (not in my backyard). Man nennt es auch St. Florians-Prinzip.

    • Hallo Dachsbau, aus Ihren Antworten ist leider nicht ersichtlich ob Sie mit der aktuellen Situation vertraut sind. Sie haben sicherlich Recht, dass es sich hier um ein Gewerbegebiet handelt. Aber auch da gelten die Regeln der StVo. Und wenn Sie einmal beobachten wie die Fahrer von Amazon diese mißachten, wüßten Sie auch worüber sich die Leute hier beschweren. Ich erlebe dies jeden Tag. Gestern Abend überquerte ich die Berliner Strasse aus Richtung Ernststrasse zur Polizeiwache am Borsigtor. Meine Fußgängerampel zeigte Grün. Trotzdem wurde ich fast von einem Amazon-Fahrer mit voller Geschindigkeit überfahren. Wir waren keine Armlänge voneinander entfernt. Es ist also egal wie die Mitarbeiter in diesem Gewerbegebiet auf Arbeit gelangen. Ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß. Sie geben sich einer wesentlich höheren Gefahr aus verletzt zu werden als im normalen Strassenverkehr. Und dagegen muss etwas unternommen werden.

  5. Ich kann mich dem meiner Vorredner nur anschließen . Mittlerweile fährt man durch Tegel und jedes zweite Auto ist von Amazon oder einem Logistikpartner. Schön das eine Parkzone in Tegel eingerichtet wurde, die jetzt auch keinen Sinn mehr macht. Da die freien Parkplätze außerhalb der Zone von den Logistikern eingenommen werden und somit wieder alles beim Alten ist. Zumal wenn man sich die Fahrzeuge ansieht stell ich mir die Frage wann meine Kfz Versicherung wieder teurer wird. Die Aral Tankstelle kann man morgens auch nicht befahren. Und die Fahrweise vieler dieser Auslieferungsfahrer lässt auch zu wünschen übrig. Es sollte schnell eine Lösung gefunden werden. Denn das ist so kein Zustand . Oder doch lieber wieder bei eBay bestellen 😜

  6. Günther Dierichen auf

    Na, das sieht doch nach einem Einsatz für das „Team Bezirksamt“ aus: Mission Possible, der Auftrag:
    1.) Aktivieren von Parkfläche für die Amazon-Autos (Brachflächen) und Vereinbarung mit Amazon.
    2.) Aktivieren des Ordnungsamtes in Zusammenarbeit mit der nahen Polizeistation und einige Tage intensiver Belehrungsarbeit bei den Amazon-Fahrern.
    Bezirksamt, übernehmen Sie.

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