Der Tegeler Newcomer Rapper LAIF im Interview mit EP Ankündigung

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KIEZEKATZE hat Lenny alias “Laif“ an einem Dienstag Nachmittag im Café/Restaurant “Weil” in Alt-Tegel getroffen. Er ist 22 Jahre alt und hat mit 12 Jahren angefangen zu rappen. Das alles ging im Kinderzimmer in Berlin-Frohnau mit einem 20 € Mikrofon los.

Inzwischen produziert er ein regelmäßig Rapsongs und -videos, die dann auf YouTube zu finden sind. Durch das Video “Hoffnung”, das in Tegel aufgenommen wurde, bin ich auf ihn aufmerksam geworden.

Da ich aber außer den Videos bisher wenig zu Laif im Internet gefunden hatte, habe ich Lenny interviewt, um mehr über ihn zu erfahren. Hier das Interview:

KIEZEKATZE: “Lenny, woher kommst Du?”

Lenny W.:Ich bin eigentlich in Kiel geboren und im Alter von 5 Jahren mit meinen Eltern nach Frohnau gezogen. Seit 2004 war ich dann auf dem Humboldt Gymnasium in Tegel. Vor 2 Jahren bin ich dann weg von zu Hause und in den Wedding gezogen.

Alt-Tegel ist allerdings nach wie vor der Ort in Reinickendorf, den ich am meisten ins Herz geschlossen habe. Hier war meine Schule, hier haben meine Freunde gewohnt. Hier haben wir tagsüber rumgehangen oder auf der Hatze Sport gemacht und abends hat man dann am Hafen oder an den Tischtennisplatten rumgehangen.

Wenn man aus dem Vorort Frohnau kommt, ist Tegel halt die Metropole. Außerdem habe ich mich nie sonderlich mit Frohnau identifiziert. Von meinen Freunden wohnte eigentlich keiner in Frohnau. Die Schule hat einen erheblichen Einzugskreis, sodass man sich immer in Tegel getroffen hat, was für alle am besten zu erreichen war. In Frohnau war ich in meiner Jugend eigentlich nur zum Schlafen.

Tegel ist für mich definitiv etwas Besonderes, sodass ich mich umso mehr über die heutige Entwicklung freue. Gerade am Hafen war es früher schlimmer. Vor 6-7 Jahren ging es da ganz schön zur Sache. Heute steht da ein Johanniterhaus und es werden hochwertige Immobilien gebaut. Alles ist viel ruhiger geworden.

KIEZEKATZE: Wie bist Du zum Rap gekommen?

Lenny W.:Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass jeder, der kreativ mit Sprache arbeitet, auch etwas darin verarbeitet. Dies ist bei mir genau so der Fall wie bei Romanautoren oder bekannten Dichtern. Früh inspiriert wurde ich vor allem von Eminem. Als ich das erste Mal in meinem Leben mit meiner Tante 8Mile geschaut habe, habe ich das schon alles sehr gefühlt. Ich hab dann jahrelang mal mehr mal weniger geschrieben, aber eigentlich alle Sachen in minderwertiger Qualität aufgenommen. Nur mit Taschengeld kann man keine Aufnahmen finanzieren. Wir haben also mit ziemlich schlechten Sachen aufgenommen. Das Feedback war in der Regel nur ‚Potenzial ist da, aber die Audioqualität ist zu schlecht‘.

Letzten Dezember kam dann auf einmal der Moment, in dem ich mir gedacht habe: ‚Alter, du bist jetzt 21 und hast das immer vor dir hergeschoben. Entweder du machst es jetzt oder nie.‘ Außerdem finde ich, dass der Rap, den ich mache, der Szene mittlerweile extrem fehlt. Ich versuche, ehrliche Musik zu machen, die man so im deutschen Rap nicht mehr so viel findet. Ich mache quasi die Musik, die ich selbst gerne hören würde, aber die immer seltener produziert wird.

Vielleicht bin ich einfach nicht modern genug und schon alt genug, um wenigstens, was die Musik betrifft, konservativ zu sein, aber ich kann den meisten anderen Newcomern, die vor allem ihre nicht vorhandenen Frauen und ihren Drogenkonsum mit ordentlich AutoTune besingen, nichts abgewinnen.

KIEZEKATZE: Wie kam es zu den Videoaufnahmen?

Lenny W.:Mein damaliger Musikproduzent, der selbst Rapper ist, hat mich gefragt, ob ich dazu ein Video drehe. Ich war erst perplex und dachte, dass ein Video für mich völlig realitätsfern ist. Ich wusste ja nichtmal, inwiefern ich das Lied veröffentliche. Nach und nach habe ich mich mehr und mehr mit der Idee angefreundet. Ich habe also nach und nach alle möglichen Kontakte angehauen, was ein ziemlicher Whatsapp-Terror war.

Letztlich habe ich so aber Kontakt zu einem Freund von einem Freund hergestellt, der Kurzfilmregisseur ist. Dem Video „Gefühlskalt“ sieht man das auch an. Es besteht aus sehr vielen kleinen Szenen. Über diesen Regisseur habe ich dann zwei andere Videoproduzenten kennengelernt, mit denen ich das alles jetzt durchziehe und die mittlerweile meine Freunde geworden sind.

KIEZEKATZE: Warum ist es im Tegel Video “Hoffnung” eigentlich so leer auf der Promenade? Habt Ihr die dafür gesperrt?

Lenny W.: “Das Video an der Greenwichpromenade haben wir sehr früh am Morgen aufgenommen. Es ist schwierig sich zu konzentrieren, wenn es so voll ist. Man muss ja schon eine gewisse Performance abliefern, damit das alles gut auf den Zuschauer wirkt. Daher rappe ich nicht nur den Text komplett runter, sondern muss mich auch auf Blicke, Bewegungen und Gestik konzentrieren. Wenn es dann rappelvoll ist, macht nicht nur das Probleme, sondern viele laufen ins Bild oder meckern, weil sie nicht gefilmt werden wollen.

Angefangen haben wir an dem Wochenende um 8:30 Uhr und ca 4 Stunden für die Aufnahmen gebraucht. Wir lassen dabei immer die Musik mit einer Box hinter der Kamera laufen. Als Kamera haben wir eine gute Sony Kamera und das Gimbal, das die Videokamera stabil hält, leihen wir uns immer aus.

KIEZEKATZE: Wovon handelt das Video “Loslassen” und wo wurde es aufgenommen?

Lenny W.:Das Video handelt von meiner letzten Trennung und wurde im Wedding zwischen Rehberge und Seestraße, also komplett in der Gegend, in der ich heute wohne, gedreht. Inhaltlich geht es vor allem um meine Schwierigkeiten damit, Leute hinter mir zu lassen, denen gegenüber ich mich zu Loyalität verpflichtet fühle.

KIEZEKATZE: Was sind Deine weiteren Pläne?

Lenny W.:Wir haben einen festen Releaseplan gemacht und viel vorproduziert. Ungefähr ab November kommt dann eine Free-EP auf Freebeats mit 6-7 Liedern raus. Die ganze EP ist dann nach und nach mit den dazugehörigen Videos auf YouTube zu finden. Zu kaufen gibt es sie nicht, da ich mich erstmal zeigen möchte, bevor ich Geld für etwas verlange. Außerdem decken die Peanuts, die ich dadurch bekommen würde, meine Ausgaben sowieso nicht. Das Ziel ist erstmal ausschließlich, Leute für meine Texte zu gewinnen und Gehör zu finden. Im Hintergrund bin ich natürlich schon am Aufnehmen und Schreiben für weitere Projekte. Wer Interesse hat, sollte also definitiv auf Facebook oder YouTube am Ball bleiben.

Auf Youtube: https://www.youtube.com/channel/UC52KwvcVAU7qgdtFz_f9i9w

Und auf Facebook: https://www.facebook.com/LaifRap/

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